Impuls Johannes 14,15-21, 6. Sonntag der Osterzeit

«Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten» sagt Jesus heute in seiner Abschiedsrede seinen Freunden in Johannes 14,16f. Das klingt einleuchtend. Wenn es doch so einfach wäre, Jesus zu lieben. Ich habe mich gefragt, wie können wir Liebende mit Blick auf Jesus werden es auch bleiben, so, dass wir seine Gebote halten. Anselm Grün schreibt in einem Kommentar zum heutigen Evangelium, dass der Evangelist Johannes uns durch seine Worte anleiten will Jesus zu meditieren. Wir sollen uns in seinen Geist hinein spüren, uns ganz tief auf sein Wort und sein Beispiel einlassen. Dadurch werden wir immer mehr fähig Jesus zu lieben und dadurch auch befähigt zum liebevollen Umgang, so, wie Jesus es vorlebt.
Dass da etwas dran ist, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn ich sehr intensiv mich auf einen Satz von Jesus, ein Gleichnis, eine Geschichte einlasse, dann lässt es mich selten kalt, es berührt und bewegt etwas. Oft aber brauche ich so etwas wie Brücken, z.B.  Zeitfenster, Räume, Texte, Bilder, Musik, Stille.
Vor kurzem hat mich innerlich sehr ein Gespräch beschäftigt mit jemandem, der wegen der Corona Krise seine Arbeit verlieren wird. Nicht nur sein Schicksal hat mich nicht mehr losgelassen. In den Nachrichten hören wir ja ständig, dass Tausende entlassen werden. Ich habe im Büro sitzend gespürt, wie meine Sorgenfalte auf der Stirn immer grösser wurde. Was kommt da in Zukunft noch auf uns zu? Ich schaute aus dem Fenster des Büros und sah die blühende Wiese. Ich konnte einfach nicht wegschauen, die vielen bunten Blumen zogen mich in ihren Bann. Mir kam die Bergpredigt in den Sinn, es war nur zwei, drei Sätze. «Was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!»
Mt. 6,28-30.  Die Natur draussen, die Bibelstelle, das alles führte mich dorthin, dass mein Herz sich öffnete. Ich nahm ihn dort wahr, den Gott, der für uns sorgt, den Gott, den Jesus uns nahegebracht hat. Natürlich war damit nicht auf einmal alle Sorge weg, aber ich spürte grosse Dankbarkeit, dass wir durch Jesus von diesem Gott wissen, auf diesen Gott setzen dürfen. Er sorgt für uns und wird für uns sorgen, vielleicht viel mehr, als es uns bewusst ist.
Zur Zeit ist es vor allen Dingen die Hoffnung, die Jesus mir schenkt, sie ist es, durch die ich ihn gerade besonders liebenswürdig und liebenswert finde. Sein Wort und sein Beispiel helfen mir, nicht sorgenvoll 500 Rollen WC Papier zu horten oder an jedem Rappen meines Lohnes festzuhalten, aus Angst, zu kurz zu kommen. Ich bin dankbar für diese sorgenfreien Momente. Ich stelle mir vor, wie das wäre, wenn immer mehr Menschen sich durch Jesus lösen könnten von der Angst, zu kurz zu kommen. Das Teilen würde uns sicher leichter fallen. Je mehr aber  teilen, desto weniger müssen sich faktisch Sorgen machen. Anselm Grün schreibt noch in seinem Kommentar, dass das Meditieren, das tiefe sich Einlassen auf Jesus nicht nur uns selbst verwandelt, sondern auch eine ganze Gesellschaft verwandeln kann. Was für eine schöne Aussicht. Jesus verspricht seinen Freunden, dass er durch seinen Geist da sein wird. Er steht nicht nur bei ihnen er ist auch in ihnen. Es ist der Geist der Wahrheit, der hilft, das Göttliche zu erkennen. Ich denke, es ist dieser Geist, der meinen Blick aus dem Fenster hinaus gelenkt hat, der mir geholfen hat, nicht sofort weiterzuarbeiten, der mich hingeführt hat zu der Bibelstelle und auch dazu, davon zu erzählen, zu schreiben. Es tut gut, sich ab und zu von seinem Geist entführen zu lassen und man muss kein grosser Meister der Meditation sein. Ich zumindest bin da ganz schlecht. Gott sucht und findet Wege, er holt jeden/jede von uns dort ab, wo er/sie steht. Werden wir, sind wir und bleiben wir offen für das, wodurch er uns Brücken baut hin zu der Liebe, die uns seine Gebote halten lässt.